Letzter Tag in Ras al Khaima

Heute ist unser letzter Tag hier in Ras Al Khaima, morgen geht es wieder zurück in die Heimat. In mir wächst langsam die Vorfreude auf den Winter, auf die stillen und warmen Lichter der Adventszeit. Hier, in der Sonne und in der milden Wärme, will sich die Weihnachtsstimmung nicht so recht einstellen.
Die vergangenen Tage waren erfüllt mit neuen Eindrücken und ich durfte ein weiteres Stück dieses wunderbaren Landes erleben:

Eine Dattelpalme

Wir sind durch das Al Hajar Gebirge gefahren, dass sich von Ras Al Khaima bis zur Musadam-Halbinsel im Norden des Oman erstreckt. Vor uns der riesige Jebel Jais, der mit 1.932 Metern der höchste Berg der Vereinigten Arabischen Emirate ist. Das Hajar Gebirge ist schroff, trocken und karg. Es sind kaum Pflanzen zu sehen, aber immer wieder tauchen Oasen auf, mit Dattelpalmen, grün und lebendig, sie wirken fast fremd in dieser schroffen Landschaft.

Am Golf von Oman
Sheikh Zayed Moschee

Im Emirat Fujairah, dem einzigen Emirat, das über den Golf von Oman direkten Zugang zum indischen Ozean hat, haben  wir die beeindruckende Sheikh Zayed Moschee besucht.

Diese Reise war auch ein Eintauchen in eine andere Kultur, in neue Lebensweisen und eine andere Religion. Sie hat mir erneut gezeigt, wie vielfältig unsere Welt ist und wie viel wir erleben und verstehen können, wenn wir ihr ohne Vorurteile begegnen. Vielleicht entsteht genau dort ein stiller Anfang von etwas Besserem: im schlichten Versuch, mit offenem Blick und offenem Herzen zu reisen — und zu leben.

Zwischen Farben, Mustern und Träumen

Eine meiner neu entdeckten Leidenschaften ist das Nähen. Es erfüllt mich jedesmal mit Freude, wenn ich den Stoff in den Händen halte. In den letzten zwei Jahren habe ich mich an mehrere  Quiltprojekte gewagt und sie mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn aus vielen kleinen Stoffstücken ein Ganzes entsteht.

Für einen Qulit  braucht man jede Menge Stoff, und am Schönsten ist es, wenn die Farben und Muster so unterschiedlich sind wie die Geschichte, die der Quilt erzählen soll. 

Zuhause kaufe ich meistens nur online, weil die Preise halbwegs erträglich sind. Aber hier… hier habe ich mein Stoffparadies gefunden! Ein Ort voller Farben, Muster und Inspirationen, an denen ich mich kaum sattsehen kann.

Ein Stoffgeschäft im Souk

Im Souk in Ras Al Khaima reiht sich ein kleines Geschäft an das nächste. Die leuchtendsten Farben, die unterschiedlichsten Materialien, alles auf Ballen übereinander gestapelt, so dicht, dass kaum Platz zum Umdrehen bleibt. 

Stoffe über Stoffe
Ordentlich gestapelte Stoffballen

Beflissene Ladenbesitzer bringen Stoffballen, herbei, suchen passende Kombinationen, stapeln sie vor mir auf… so viele, dass ich aufpassen musste, nicht völlig in einen Kaufrausch zu verfallen. Es war, als würde ich in einer Schatzkammer sein, in der jeder Stoff ein kleines Versprechen für das nächste Projekt ist.

Stoffe über Stoffe

Baumwolle und Seide aus Indien und Pakistan, aber auch edle italienische Stoffe, und alles zu einem Bruchteil des Preises, den ich in Deutschland zahlen müsste. Ein Paradies!

Alles glänzt und gitzert

Die Atmosphäre auf dem Souk ist geradezu verzaubernd. Überall reihen sich Stoffgeschäfte und kleine Schneidereien aneinander. In manchen Läden hängen farbenfrohe Jalabiyas – locker fallende, lange Kaftane, reich geschmückt mit Mustern und Glitzer –, während andere elegante Abayas anbieten, die schwarzen, bodenlangen Gewänder, die Frauen über ihrer Kleidung tragen.

Weiß ist nicht gleich weiß

Gleich nebenan finden sich Geschäfte für die Dischdaschas der Männer, in denen Hunderte strahlend weißer Stoffe ordentlich übereinandergestapelt sind.

21 Karat Gold

Hinter der Straße  mit den Stoffen und  den kleinen Schneidereiden, in der Männer ( und nur Männer)  an Nähmaschinen nähen, ist der Goldsouk. Die Ketten, Ohrringe  und Ringe, die dort angeboten werden, sind kein Modeschmuck, sondern aus hochwertigem Gold. Ich kann kaum schätzen, welche Werte dort hinter simplen Glasschaufenstern liegen….

Der Muezzin ruft

Sheikh Zayed Moschee
Sheikh Zayed Moschee in Ras Al Khaima

Ras Al Khaima ist wie alle Emirate muslimisch geprägt. Moscheen begegnen mir fast an jeder Straßenecke, und es gibt sie von klitzeklein und unscheinbar bis groß, reich verziert, prächtig und beeindruckend. Der Muezzin ruft fünfmal am Tag zum Gebet, na ja, es ist nicht wirklich ein Muezzin aus Fleisch und Blut, sondern eher ein Band… oder heute vielleicht eine Audio Datei. Die Rufe sind laut, mehr oder weniger melodisch, überall zu hören und wie es scheint auch sehr wirkungsvoll.
Sobald der Muezzin ruft, werden Läden geschlossen und alle Männer (!) strömen zum Gebetsraum in die Moschee. 

Latschen vor einer Moschee
Latschen vor einer Moschee

Vor der Tür stehen dann Unmengen an gleich aussehenden Latschen in einem ziemlichen Durcheinander. Nach 10 Minuten ist die Gebetszeit beendet. Das Schuhdurcheinander löst sich auf wunderbare Weise wieder auf, und der Strom von Männern in weißen Dishdashas fließt zurück in die kleinen Läden . Geschäfte öffnen wieder und der normale Alltag läuft weiter, bis erneut zum Gebet gerufen wird. In grösseren Moscheen gibt es auch Gebetsräume für Frauen. Sie haben einen eigenen Eingang, meist auf der Rückseite der Moschee. Ich habe bisher noch nicht viele Frauen gesehen, die eine Moschee verlassen. Frauen dürfen auch Zuhause beten und müssen nicht die Moschee besuchen.

Fahrrad in der Wüste

In der Wüste Fahrrad fahren ist nicht nur wegen des Sandes eine echte Herausforderung. Die Hitze ist wirklich anstrengend und es funktioniert (bei mir) nur auf den Wegen, die einigermaßen fest oder geteert sind. Es geht ständig bergauf und bergab und ich muss gefühlt alle drei Meter anhalten, um etwas Wasser zu trinken.

Dafür wird man  mit wunderbaren Ausblicken und faszinierenden Momenten belohnt. Heute spazierten Gazellen an mir vorbei und betrachteten mich, allerdings schienen sie nicht wirklich an mir  interessiert zu sein.

Meine Lieblingswüstentiere sind die Kamele. Sie wirken  so gelassen und entspannt, und ich habe immer das Gefühl,  dass sie ein wenig  herablassend, aber auch wohlwollend auf mich herunterschauen. 

Ich bin ihnen wieder begegnet: Beim Sonnenaufgang heute früh habe ich sie beobachten können. Sie schritten bedächtig durch den Sand, und als sie mich und mein Radl bemerkten, blieben sie stehen und schauten mich minutenlang einfach an. Nach einer Weile fragte ich mich:  Wer beobachtet hier eigentlich wen und wer wartet auf was?  Es dauerte bestimmt eine Viertelstunde , bis sie dann doch einfach weiterzogen.

Kamel am Müllcontainer

In der Wüste wirken die Kamele majestätisch und elegant, aber ich habe sie auch anders erlebt: Am Stadtrand von Ras Al Khaima durchforsteten Sie einen Müllcontainer, vermutlich suchten sie nach etwas Essbarem. Sie schleuderten Pappkartons durch die Gegend und wirkten nicht wirklich entspannt. 

Wieder in der Wüste

Ich mag den November in Deutschland nicht: es ist kalt, so früh dunkel und ungemütlich. Also habe ich mich auf die Reise in die Sonne gemacht.

Ich bin wieder in RasAlKhaima, einem der sieben Vereinigten Arabischen Emirate. Bei 30 Grad und Sonne pur lässt sich der November aushalten. 😁

Dies ist nun schon mein dritter Besuch hier und ich bin fasziniert von der rasanten Entwicklung, die dieses Emirat macht. In atemberaubendem Tempo verändert sich hier alles. Überall wird gebaut, riesige Hotelanlagen entstehen, dem Meer wird Land abgerungen. Mitten in der Wüste werden vierspurige Straßen gebaut, die im Moment noch ins Nirgendwo führen. Dubai dient als großes Vorbild. 

Ich hoffe, dass hier trotz aller Bautätigkeit und Geschäftigkeit die typisch arabische Kultur, die im Moment das Emirat noch prägt, erhalten bleibt.

Am meisten beeindruckt mich in diesem Emirat die Natur. Jeden Tag ein Sonnenuntergang wie im Bilderbuch, blühende Pflanzen, Mangroven und die so lebendige und faszinierende Wüste.

In den nächsten 10 Tagen werde ich RasAlKhaima weiter erkunden und ich nehme Euch natürlich mit. 😀

Letzter Tag an der Donau

Das Ulmer Münster
Das beeindruckende Ulmer Münster

Heute war der letzte Tag meiner ersten Donauetappe – und was für ein Abschluss! Nach der kleinen Enttäuschung gestern habe ich es doch noch geschafft, das beeindruckende Ulmer Münster zu bestaunen. Ein wahrhaft majestätischer Bau, der mich kurz innehalten ließ.

im Auwald bei Günzburg
fast Dahoam

Doch lange hat es mich nicht in Ulm gehalten, denn meine letzte Etappe auf dem Donauradweg rief! Die relativ kurze Strecke nach Günzburg – etwa 30 Kilometer – führte mich wieder durch charmante kleine Orte, stets mit der Donau in Sichtweite.  Sie zeigte sich von ihrer ruhigen, fast gemächlichen Seite. Besonders die Fahrt durch den Auwald bei Günzburg hatte etwas Magisches und war für mich der schönste Teil der Tour.

Motiviert und voller Energie bin ich etwas flotter als sonst unterwegs gewesen, denn mein Plan war, den Zug um halb zwölf von Günzburg nach Hause zu erwischen. 

kurz vorm Ziel... sooo süß

Aber, wie dasLeben so spielt: Trotz kräftigem Strampeln und pünktlichem Eintreffen am Bahnhof fuhr der Zug – nur leider ohne mich! Mein treues Fahrrad durfte nicht mit, und nach dieser gemeinsamen Woche wollten wir uns wirklich nicht einfach so trennen …

Also hieß es warten auf den nächsten Zug, der uns beide mitnehmen wollte. In Augsburg angekommen, ließ ich mich nicht lumpen und radelte noch am Lech entlang bis nach Hause. Dort warteten bereits mein Schatz und eine wohltuende Badewanne auf mich – genau das Richtige nach dieser ereignisreichen Tour! 

Mein Fahrrad ruht nun erst einmal in der Garage, sammelt neue Kraft … bis es wieder auf große Fahrt geht.

Kein Ulmer Münster

Ruhepol Donau

Am vierten Tag meiner Reise habe ich wieder fast 70 km zurückgelegt, und obwohl es manchmal an recht belebten Straßen entlang ging, gab es doch viele schöne Momente. Immer wenn ich die Donau wieder erreichte, konnte ich den Blick auf das glitzernde Wasser genießen – eine kleine Oase inmitten meiner Tour.

In Ulm angekommen, hatte ich große Pläne: das Münster bestaunen und ein original schwäbisches Abendessen genießen, ein bisschen durch die Stadt schlendern. Tja, Pläne sind schön und gut – wenn die Stadt nicht gerade eine einzige Baustelle wäre! Mein Navi fühlte sich offenbar berufen, mich auf eine kleine Stadtrundfahrt der besonderen Art zu schicken: Hügel hoch, Hügel runter, einmal im Kreis und dann nochmal zurück. 

Ulm eine einzige Baustelle

Nach einiger Zeit war klar: Das Münster muss warten, die Kässpatzn bleiben ein Traum und mein Akku wollte auch nicht mehr mitspielen. 

Also Plan B: Ein Salat, saftige Tomaten, ein Radler aus der Dose – nicht das schwäbische Festmahl, das ich mir vorgestellt hatte, aber trotzdem ein fast perfektes Abendessen.

Morgen wartet mein letzter Radltag auf mich – 25 Kilometer entlang der Donau, die ich voll auskosten werde. Ich freue mich darauf, die Reise mit einem Blick auf die Donau zu beenden!

Blühende Donau

Pause an einem Wegekreuz

Heute bin ich früh gestartet – gestärkt wie ein echter Schwabe mit Breschdleng Gsälz (für alle Nicht-Eingeweihten: das ist leckere Erdbeermarmelade), einer knusprigen Semmel und natürlich einem großen Haferl Kaffee.

Dann ging es los, Richtung Unlingen. Erst noch sanft entlang der Donau, dann hinein in das grüne Herz von Wäldern, Wiesen und Feldern.

Hügel hinauf, Hügel wieder herunter (was eindeutig mehr Spaß macht).

Als ich den Donauradweg hinter mir ließ, würde es deutlich stiller auf den Wegen. Keine Radler, keine Spaziergänger – die perfekte Gelegenheit für mein Solokonzert auf dem Fahrrad. Endlich konnte ich ungehindert singen (die Qualität meines Gesangs bleibt dabei wohl eine wohlwollende Ermessensfrage).

Flutender Wasserhahnfuß

Der eigentliche Star des Tages war aber die Donau selbst. Es sah aus, als würde sie blühen! Überall tanzten kleine weiße Blüten auf der Wasseroberfläche, als hätte sich der Fluss in ein Blütenmeer verwandelt – ein faszinierender Anblick. Jetzt weiß ich, dass es sich um den flutenden Wasserhahnfuß handelt.  Ein Schauspiel der Natur, das mir einmal mehr gezeigt hat, wie wunderschön unsere Welt doch ist.

Moderate Steigungen

endlich Beuron in Sicht
Auf dem Weg nach Sigmaringen

Nach einem köstlichen Frühstück und voller Tatendrang ging es heute Morgen los. Tagesziel: Sigmaringen! Eine kurze Etappe von 45 km – dachte ich zumindest. Die Kilometerangabe stimmte, aber … oh je!

Etwa 15 km vor Beuron meldete mein Navi plötzlich: STEIGUNG. „Na gut“, dachte ich optimistisch. „Ich habe ja meine Turbounterstützung, und im ersten Gang wird das ein Spaziergang.“

Tja, falsch gedacht: Es war kein Spaziergang.

Nach vielleicht zwei Kilometern war ich am Ende. Meine Beine waren auf Streik, meine Lunge meldete sich mit einem wütenden „Was tust du mir an?!“, und das Rad schien plötzlich eine persönliche Abneigung gegen Bewegung zu haben.

Aber Aufgeben? Nein, das kam nicht infrage! Also befragte ich Google Maps, und Google war gnadenlos ehrlich: „Sehr starke Steigung“. Na wunderbar. Ich bin definitiv nicht für Bergetappen gemacht – meine Spezialität sind eher gemütliche Strecken mit kleinen Steigungen und Bänken für Pausen. Zum Glück fand ich eine Alternative: „Moderate Steigung“. Hurra, moderat klingt doch machbar! Nun ja, zumindest weniger herzzerreißend. Ich schwitzte immer noch wie bei einem  Saunaaufenthalt, aber immerhin kam ich irgendwann tatsächlich in Beuron an.

In Beuron habe ich erstmal tief durchgeatmet – endlich keine Steigung mehr! Ich gönnte mir einen Cappuccino, ganz nach dem Motto “ Belohnung muss sein!“ Der Buchladen lockte zwar mit tollen Büchern und Schnickschnack,   aber meine Satteltaschen sind bereits voll genug. Also blieb ich standhaft.

Die Donau ganz ruhig
Henriette


Weiter ging es entlang der Donau. Unterwegs traf ich einen freundlichen „Mitrentner“ und hielt ein kleines Pläuschchen – Austausch von Reiseweisheiten inklusive. Dann begegnete ich Henriette, einer entzückenden Eseldame (mit umwerfenden Wimpern, die mich fast neidisch gemacht haben). Nach diesem überraschend glamourösen Eselmoment radelte ich weiter nach Sigmaringen, wo ich mir ein dickes Eis gönnte.

Tag zwei meiner Reise ist zu Ende, ich freue mich auf morgen – vielleicht mit weniger Steigungen, aber genauso viel Abenteuer!

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