Monat: November 2025

Zwischen Farben, Mustern und Träumen

Eine meiner neu entdeckten Leidenschaften ist das Nähen. Es erfüllt mich jedesmal mit Freude, wenn ich den Stoff in den Händen halte. In den letzten zwei Jahren habe ich mich an mehrere  Quiltprojekte gewagt und sie mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn aus vielen kleinen Stoffstücken ein Ganzes entsteht.

Für einen Qulit  braucht man jede Menge Stoff, und am Schönsten ist es, wenn die Farben und Muster so unterschiedlich sind wie die Geschichte, die der Quilt erzählen soll. 

Zuhause kaufe ich meistens nur online, weil die Preise halbwegs erträglich sind. Aber hier… hier habe ich mein Stoffparadies gefunden! Ein Ort voller Farben, Muster und Inspirationen, an denen ich mich kaum sattsehen kann.

Ein Stoffgeschäft im Souk

Im Souk in Ras Al Khaima reiht sich ein kleines Geschäft an das nächste. Die leuchtendsten Farben, die unterschiedlichsten Materialien, alles auf Ballen übereinander gestapelt, so dicht, dass kaum Platz zum Umdrehen bleibt. 

Stoffe über Stoffe
Ordentlich gestapelte Stoffballen

Beflissene Ladenbesitzer bringen Stoffballen, herbei, suchen passende Kombinationen, stapeln sie vor mir auf… so viele, dass ich aufpassen musste, nicht völlig in einen Kaufrausch zu verfallen. Es war, als würde ich in einer Schatzkammer sein, in der jeder Stoff ein kleines Versprechen für das nächste Projekt ist.

Stoffe über Stoffe

Baumwolle und Seide aus Indien und Pakistan, aber auch edle italienische Stoffe, und alles zu einem Bruchteil des Preises, den ich in Deutschland zahlen müsste. Ein Paradies!

Alles glänzt und gitzert

Die Atmosphäre auf dem Souk ist geradezu verzaubernd. Überall reihen sich Stoffgeschäfte und kleine Schneidereien aneinander. In manchen Läden hängen farbenfrohe Jalabiyas – locker fallende, lange Kaftane, reich geschmückt mit Mustern und Glitzer –, während andere elegante Abayas anbieten, die schwarzen, bodenlangen Gewänder, die Frauen über ihrer Kleidung tragen.

Weiß ist nicht gleich weiß

Gleich nebenan finden sich Geschäfte für die Dischdaschas der Männer, in denen Hunderte strahlend weißer Stoffe ordentlich übereinandergestapelt sind.

21 Karat Gold

Hinter der Straße  mit den Stoffen und  den kleinen Schneidereiden, in der Männer ( und nur Männer)  an Nähmaschinen nähen, ist der Goldsouk. Die Ketten, Ohrringe  und Ringe, die dort angeboten werden, sind kein Modeschmuck, sondern aus hochwertigem Gold. Ich kann kaum schätzen, welche Werte dort hinter simplen Glasschaufenstern liegen….

Der Muezzin ruft

Sheikh Zayed Moschee
Sheikh Zayed Moschee in Ras Al Khaima

Ras Al Khaima ist wie alle Emirate muslimisch geprägt. Moscheen begegnen mir fast an jeder Straßenecke, und es gibt sie von klitzeklein und unscheinbar bis groß, reich verziert, prächtig und beeindruckend. Der Muezzin ruft fünfmal am Tag zum Gebet, na ja, es ist nicht wirklich ein Muezzin aus Fleisch und Blut, sondern eher ein Band… oder heute vielleicht eine Audio Datei. Die Rufe sind laut, mehr oder weniger melodisch, überall zu hören und wie es scheint auch sehr wirkungsvoll.
Sobald der Muezzin ruft, werden Läden geschlossen und alle Männer (!) strömen zum Gebetsraum in die Moschee. 

Latschen vor einer Moschee
Latschen vor einer Moschee

Vor der Tür stehen dann Unmengen an gleich aussehenden Latschen in einem ziemlichen Durcheinander. Nach 10 Minuten ist die Gebetszeit beendet. Das Schuhdurcheinander löst sich auf wunderbare Weise wieder auf, und der Strom von Männern in weißen Dishdashas fließt zurück in die kleinen Läden . Geschäfte öffnen wieder und der normale Alltag läuft weiter, bis erneut zum Gebet gerufen wird. In grösseren Moscheen gibt es auch Gebetsräume für Frauen. Sie haben einen eigenen Eingang, meist auf der Rückseite der Moschee. Ich habe bisher noch nicht viele Frauen gesehen, die eine Moschee verlassen. Frauen dürfen auch Zuhause beten und müssen nicht die Moschee besuchen.

Fahrrad in der Wüste

In der Wüste Fahrrad fahren ist nicht nur wegen des Sandes eine echte Herausforderung. Die Hitze ist wirklich anstrengend und es funktioniert (bei mir) nur auf den Wegen, die einigermaßen fest oder geteert sind. Es geht ständig bergauf und bergab und ich muss gefühlt alle drei Meter anhalten, um etwas Wasser zu trinken.

Dafür wird man  mit wunderbaren Ausblicken und faszinierenden Momenten belohnt. Heute spazierten Gazellen an mir vorbei und betrachteten mich, allerdings schienen sie nicht wirklich an mir  interessiert zu sein.

Meine Lieblingswüstentiere sind die Kamele. Sie wirken  so gelassen und entspannt, und ich habe immer das Gefühl,  dass sie ein wenig  herablassend, aber auch wohlwollend auf mich herunterschauen. 

Ich bin ihnen wieder begegnet: Beim Sonnenaufgang heute früh habe ich sie beobachten können. Sie schritten bedächtig durch den Sand, und als sie mich und mein Radl bemerkten, blieben sie stehen und schauten mich minutenlang einfach an. Nach einer Weile fragte ich mich:  Wer beobachtet hier eigentlich wen und wer wartet auf was?  Es dauerte bestimmt eine Viertelstunde , bis sie dann doch einfach weiterzogen.

Kamel am Müllcontainer

In der Wüste wirken die Kamele majestätisch und elegant, aber ich habe sie auch anders erlebt: Am Stadtrand von Ras Al Khaima durchforsteten Sie einen Müllcontainer, vermutlich suchten sie nach etwas Essbarem. Sie schleuderten Pappkartons durch die Gegend und wirkten nicht wirklich entspannt. 

Wieder in der Wüste

Ich mag den November in Deutschland nicht: es ist kalt, so früh dunkel und ungemütlich. Also habe ich mich auf die Reise in die Sonne gemacht.

Ich bin wieder in RasAlKhaima, einem der sieben Vereinigten Arabischen Emirate. Bei 30 Grad und Sonne pur lässt sich der November aushalten. 😁

Dies ist nun schon mein dritter Besuch hier und ich bin fasziniert von der rasanten Entwicklung, die dieses Emirat macht. In atemberaubendem Tempo verändert sich hier alles. Überall wird gebaut, riesige Hotelanlagen entstehen, dem Meer wird Land abgerungen. Mitten in der Wüste werden vierspurige Straßen gebaut, die im Moment noch ins Nirgendwo führen. Dubai dient als großes Vorbild. 

Ich hoffe, dass hier trotz aller Bautätigkeit und Geschäftigkeit die typisch arabische Kultur, die im Moment das Emirat noch prägt, erhalten bleibt.

Am meisten beeindruckt mich in diesem Emirat die Natur. Jeden Tag ein Sonnenuntergang wie im Bilderbuch, blühende Pflanzen, Mangroven und die so lebendige und faszinierende Wüste.

In den nächsten 10 Tagen werde ich RasAlKhaima weiter erkunden und ich nehme Euch natürlich mit. 😀

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