Autor: Felicitas (Seite 3 von 6)

Kamel oder doch lieber Radl?

Kamel in der Wüste von Ras al Khaimah
Helene
Felicitas, Helene, Rajiv und eine Kameldame ohne Namen

Zu Beginn meiner Reise hatte ich ja die Überlegung angestellt, ob ich mein Radl vielleicht gegen ein Kamel eintausche… Nun, ich habe mich entschieden: Ich bleibe definitiv beim Radl! Gestern konnte ich die Alternative zum Fahrrad ausprobieren – und es hat Spaß gemacht! Dieses Wüstenschiff zu erklimmen, war für mich schon mal die erste Herausforderung! Als ich dann endlich oben war, erhob sich Helene (so hieß die Kameledame), und ich wurde einmal durchgeschüttelt – mein Gleichgewichtssinn war gefordert. Dann ging Helene gemächlich Schritt für Schritt durch den Wüstensand, und ich schwankte wie bei Wellengang auf einem Schiff hin und her. Der Sattel hatte zwar eine Rückenlehne  und war auch nicht unbequem, aber ich glaube, nach spätestens einer halben Stunde wäre ich seekrank geworden. Für mich steht fest: In der Wüste ist so ein Kamel sicher das Verkehrsmittel der Wahl, aber daheim bleibe ich doch besser bei meinem Radl. 

So langsam nähert sich meine Zeit hier in Ras al Khaimah nun auch dem Ende zu, ich freue mich schon wieder auf daheim, allerdings… bekomme ich eine Gänsehaut wenn ich die Nachrichten aus der Heimat lese und hier aus dem Fenster schaue… heute sind es hier nur kühle 29 Grad… aber zuhause regnet es und es ist nur 6 Grad kalt….brrrr 🙁

Perlen in der Wüste

Wüste, Meer, Berge, Sonne – das klingt für mich nach einer perfekten Kombination – und so fühlt es sich auch an. Heute haben wir Suwaidi Farm, die letzte und einzige Perlenfarm im arabischen Raum besucht.
Mit einem kleinen Boot sind wir gemächlich durch die Lagune am Fuß des Hajar Gebirges getuckert. Auf der einen Seite der Lagune die Mangrovenlandschaft mit großen Baumwurzeln und Vögeln, die in der Mittagshitze etwas verschlafen zu uns herüberschauten, auf der anderen Seite die schier endlose Wüste mit Kamelen, die im Sand wohl nach etwas Essbarem suchten und sich durch nichts stören ließen. Am Ufer dösten Flamingos einbeinig in der Sonne.

Das kleine Boot brachte uns zu einem Ponton, auf dem die Perlenfarm war. Dort wird für die Touristen (wir waren aber die einzigen weit und breit) eine wirklich interessante Führung geboten: unter welchen Umständen, mit welchen Hilfsmitteln bis 1940 dort nach Perlen getaucht wurde. Das war eine harte und lebensgefährliche Arbeit, mit einem Stein am Fuß haben sich die Taucher ins Wasser begeben, ohne Sauerstoff oder irgendwelche Hilfsmittel haben sie vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang nach Austern gesucht. Nur 1 Prozent der gesammelten Austern enthielt eine Perle (bei Zuchtperlen sind es 60 Prozent) Die Taucher waren 4 Monate ohne Unterbrechung;auf den kleinen Booten und durften 2 Becher Wasser am Tag trinken (ich gehe hier keine drei Schritte ohne eine Wasserflasche und komme am Tag bestimmt auf 3 Liter). Heute werden die Austern gezüchtet. Es braucht 1 bis 2 Jahre, bis aus einem Sandkorn eine Perle entstanden ist… Ich durfte bei unserem Besuch eine Auster öffnen und habe tatsächlich eine wunderschöne Perle gefunden.

roter Wüstensand und Mangroven

Nach einer Fahrt durch die Wüste und durch mehrere Emirate (ganz entspannt mit einem klimatisierten Auto), bin ich nun in Ras al Khaimah angekommen. Nach der pompösen Stadt Dubai wirkt Ras al Khaimah irgendwie bescheidener, einfacher und entspannter. Es ist heiß (32 Grad) und der Wind bringt keine Abkühlung – (ich sollte besser nicht  jammern – zuhause ist es trüb und 6 Grad kalt).

Wir  werden in den nächsten Tagen noch „richtig“ in die Wüste fahren, aber schon jetzt haben mich der terracottafarbene Sand und die freilebenden Kamele sehr beeindruckt. Auch die Mangroven, die  entlang der Küste zu finden sind, haben mich beeindruckt und irgendwie nicht in meine Vorstellung von einem Wüstenstaat gepasst, aber sie sind wohl überall in tropischen oder subtropischen Gezeitenzonen an Küsten auf der ganzen Welt zu finden (da habe ich wieder was gelernt). Die Natur ist großartig und bestaunenswert, aber ich bin auch von den Menschen hier fasziniert. 

Ras al Khaimah ist eines der sieben Emirate. Hier leben fast 200 000 Menschen aus 200 Nationen. Ich lerne an der Kleidung zu unterscheiden woher die Menschen kommen: Pakistan, Indien, Afghanistan, Europa, Afrika…Eine bunte Mischung.

Viele Frauen (aber nicht alle) tragen eine Abaya und sind von Kopf bis Fuß verhüllt (einen Gesichtsschleier sieht man nicht so oft) – und trotzdem kann ich am Gang, an der Haltung und auch an den Glitzersteinen, die oft in das schwarze Tuch eingearbeitet sind, den Stolz und die Würde der Frauen erkennen. Es scheint mir, dass sie besonderen Wert auf ihr Aussehen legen: Sorgfältig und ausdrucksvoll geschminkte Augen, und die Pumps oder Sandaletten, die untern der Abaya hervorschauen sind einfach so elegant und  lassen mein Schuhliebhaberherz höher schlagen…

Auch die Kleidung der pakistanischen Frauen gefällt mir sehr gut. Sie tragen einen Salwar Kameez, so eine Kombination aus Hose und langem Oberteil, in bunten Farben, mal schlicht, mal mit vielen Glitzersteinen, das wirkt praktisch und trotzdem elegant.  

Ich finde es schön, dass an der Kleidung eine Haltung, eine Einstellung oder eine Herkunft zu erkennen sind.

Groß, größer, am Größten…

Burj Khalifa

Nun bin ich in Dubai 🙂 es ist sommerwarm, die Sonne scheint und es ist wirklich schön hier! Aber ein bisschen nachdenklich bin ich auch: Das höchste Gebäude der Welt Burj Khalifa ist hier mitten in Dubai, alles ist riesig, gigantisch und nimmt mir fast den Atem, die Dubai Fountains – wunderschön und größer als die Fontänen in Las Vegas, aber ich weiß nicht ob größer, höher, weiter immer auch schöner ist… Ich bin froh, dass ich das alles hier sehen und erleben kann, ich genieße die Zeit, die vielen Eindrücke, Es ist spannend Menschen aus so vielen Kulturen zu erleben. Mir geht durch den Kopf und es beschäftigt mich, was Kleidung ausdrücken kann und wie wichtig es ist, erst einmal offen, vorurteilsfrei und neugierig auf all das Andere zu sein. Mein Kopf und mein Herz sind ganz voll von den vielen Eindrücken dieses Tages. Morgen geht es nach Ras al Khaimah und ich freue mich auf etwas weniger – von Allem 🙂

Herbst und neue Herausforderungen

Nun ist mein Radl erst einmal in der Garage abgestellt und wartet dort auf besseres Wetter und neue Reisen. Es ist mir jetzt einfach zu kalt und zu ungemütlich um mit dem Rad auf Reisen zu gehen (ich bin wohl nur eine „Schönwetterradlerin“ – Regen einmal ausgenommen). 

Langweilig ist mir allerdings nicht 🙂 ich habe eine neue Herausforderung für mich entdeckt: Meine Reise an die Ostsee und meine Begegnung mit Eila haben mich dazu inspiriert mich unter die Näherinnen zu begeben und nun bin ich fleißig dabei einen maritimen Quilt zu nähen… und das IST eine Herausforderung!


Zuerst habe ich einfach mal so drauflosgenäht und dann habe ich festgestellt: Irgendwie müssen die Teile ja GENAU die gleiche Größe haben, damit aus vielen Einzelteilen ein Ganzes entsteht. Und schief zugeschnitten oder die Nahtzugabe nach Gefühl zu nähen, gibt keine optimalen (um nicht zu sagen katastrophale) Ergebnisse.

..und dann muss man auch noch darauf achten, dass die Anker nicht einmal nach links und einmal nach rechts schauen, die Fische nicht total durcheinander schwimmen und die Leuchttürme nicht auf dem Kopf stehen… Aber es wird! Mein erster Quilt nimmt langsam Formen an und wird eben ein etwas unperfekter Quilt, ich finde ihn trotzdem großartig 🙂

Aber auch das Quilten muss jetzt erst einmal eine Pause einlegen. Meine Schwester hat mich in die Vereinigten Arabischen Emirate nach Ras Al Khaimah eingeladen und am Dienstag geht meine Reise in den Sommer  los – ich werde das Radl gegen ein Kamel eintauschen und ich bin gespannt was ich erleben werde.

Wiedersehen

Was für ein Tag! Was für eine Begegnung!

Gestern war es soweit, ich habe mich früh auf den Weg gemacht und bin mit dem Zug aus Berlin in Richtung Rostock gefahren. Um halb zehn hat mich das Fernsehteam schon am Bahnhof erwartet und gedreht, wie ich (bloß nicht in die Kamera schauen!) erwartungsvoll durch den Bahnhof zum BR Bus gegangen bin…. 

Dann ging es irgendwo in einen Park (ich war so aufgeregt, dass ich gar nicht mehr weiß, wohin wir eigentlich gefahren sind), und dann war es soweit. Eila und ihre Mutter standen dort im Regen und haben auf mich gewartet. 

Was für ein Wiedersehen! Ich kann all die Emotionen, die da bei mir hochsprudelten, nicht in Worte fassen. Die kleine Eila,  jetzt ein Teenager, mit blonden wunderschönen Haaren, wachen und so sprechenden Augen und einem verschmitzten Lächeln. „Hallo Frau Hanne“…wie schön das klang!

Eila war die perfekte Gastgeberin, ich durfte sie daheim besuchen, ihr Zimmer anschauen, mit den beiden Katzen schmusen (soweit die Katzen das zuließen), Eilas Mama hatte einen wunderbaren Kuchen gebacken und wir haben in Erinnerungen geschwelgt… So viele Hochs, so viele Tiefs, so viel Freude, so viele Begegnungen, so viele Menschen, die Eila auf ihrem Weg ein Stück begleitet haben. Immer wieder war auch eine tiefe Dankbarkeit zu spüren, ich glaube, bei uns allen.

Am Nachmittag ging es dann nach Warnemünde an die Ostsee. Trotz Wind und Regen waren Eila, ihre beste Freundin Emily und ich  Eis essen (Eis geht immer). Wir haben geredet, gelacht, philosophiert und das Leben, den Wind, die gemeinsame Zeit einfach genossen.

Den ganzen Tag hat uns das Fernsehteam vom Bayerischen Rundfunk begleitet, und sie waren einfach großartig. Wir mussten nicht Szenen wiederholen oder Sätze fünfmal sagen. Sie waren einfach dabei, sympathisch, herzlich, empathisch und offen. Der gedrehte Beitrag wird am 27. November um 21 Uhr im Bayerischen Fernsehen im Rahmen von „30 Jahre Sternstunden“ gesendet. Ich bin gespannt, wie so ein ganzer Tag mit all seinen Begegnungen und Erlebnissen in 4 Minuten passen kann… Lassen wir uns überraschen 🙂

auf dem Weg nach Rostock

Nun ist es soweit: Ich sitze (ziemlich aufgeregt) im Zug nach Berlin und werde morgen nach Rostock weiterfahren. Nach vielen Jahren werde ich Eila wiedersehen. Erinnerungen sprudeln hoch und so vieles geht mir durch den Kopf. Ich denke daran, wie Eila ins  Kinderhaus AtemReich gekommen ist (sie war erst vier Monate alt), wie wir um ihr Leben gekämpft haben, sie reanimieren mussten, wie sie immer wieder mit Kraft und unglaublicher Energie nach dem Leben gegriffen hat. Nichts konnte dieses Mädchen bremsen, keine Beatmung, keine Querschnittslähmung, kein Rollstuhl. Ihre positive Energie und ihre Lust am Leben, ihre Neugierde…all das hat uns immer wieder bestärkt und ermutigt. 

Eila war unser Sonnenschein und unsere Herausforderung. Sie hat mir im Büro „geholfen“ , gemeinsam haben wir Videos  an meinem PC geschaut. „Frag doch mal die Maus“ oder „Lauras Stern“  standen auf der Hitliste ganz oben. Die Gruppe Meeresblau war ihr Zuhause und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für sie da, haben sie gefördert, gefordert und auf einem Stück ihres Weges begleitet… So viele Erinnerungen lassen mich lächeln und machen mein Herz ganz weit. Wenn ich daran denken, was dieses (heute nicht mehr kleine) Mädchen geschafft hat: Was für eine Erfolgsgeschichte!

… jetzt beschäftigen mich ganz viele Fragen: Wie wird es sein eine junge Frau zu treffen, die nicht mehr beatmet ist, die in Rostock bei Ihrer Familie lebt, zur Schule geht, Freunde hat und ein „ganz normales Leben“ führt? Wird die Begegnung (nur) ein dankbares Erinnern für das Fernsehteam, das uns begleitet?… 

Wie auch immer: Für mich ist der Besuch ein kleine Reise in die Vergangenheit und – ja – er ist sicher auch eine Bestätigung für das, wofür das Kinderhaus AtemReich steht: beatmete Kinder auf ihrem Weg, wohin auch immer er führt  zu begleiten.

Morgen werde ich sicher eine Menge zu berichten haben! 🙂 

Die Lagune von Venedig

Unser zweites Ziel in diesem Urlaub war die Lagune von Venedig. Soooo schön! Burano, Murano, Treporti und (ja wirklich) Venedig haben wir nicht besucht. Es waren – obwohl ja nicht mehr Hauptsaison war – einfach zu viele Menschen unterwegs. Früh am Morgen waren die Straßen noch leer, aber sobald die Geschäfte aufmachten, füllten sich die Straßen und Plätze mit Menschen.

Die bunten Häuser von Burano haben es mir angetan, sie verströmen so eine Lebensfreude, so viel positive Energie, dazu der strahlende Sonnenschein, das war einfach schön!

Radlfahren in der Lagune von Venedig

Wir haben auch einen Versuch unternommen mit dem Radl unterwegs zu sein, aber geliehene Fahrräder sind eben nicht die eigenen Fahrräder  🙁 … für eine kleinere Radtour durch das Naturschutzgebiet hat es gereicht und es war wirklich interessant einen Teil der Lagune mit dem Fahrrad zu erkunden.

Sonnenuntergang in der Lagune von Venedig

Bevor es wieder in Richtung Heimat ging konnten wir noch einen Sonnenuntergang am Meer genießen, ohne viele Menschen aber mit Sonne, Wind, einem Glas Aperol Spritz… und Mücken. 

zauberhafter Iseosee und Bergamo

Die Tage am Iseosee waren geprägt von Ruhe und warmem Wetter und immer wieder dem Blick auf diese so schöne Landschaft mit den Bergen, den kurvigen Straßen und natürlich auf den Iseosee: türkis, tiefdunkelblau oder schimmernd wie Jaspis, mal ruhig wie ein Spiegel und dann wieder unruhig, grau fast schwarz und irgendwie geheimnisvoll.  

Es waren (außer uns) nur wenige Touristen unterwegs und wir konnten unsere mehr als spärlichen Italienisch Kenntnisse an den Mann oder die Frau bringen. Grazie, Prego und non parlo italiano,,, für viel mehr hat es leider nicht gereicht. Aber das könnte ja eine gute Aufgabe für meine kommende Zeit sein-wenn es fürs Radfahren zu kalt ist, könnte ich Italienisch lernen…schaun mer mal. Ich werde auf jeden Fall NICHT in der Gegend um den Iseosee Radfahren. Es gab zwar sehr viele Radfahrer, aber sie sahen alle so aus als wollten sie der Giro d’Italia machen…absolut nichts für mich Genussradlerin!

Eine Stadt hat mich in diesen Tagen sehr beeindruckt: Bergamo ist eine wunderschöne Stadt mit einer (fast) autofreien Altstadt. Ein wirkliches Juwel. Ich musste aber immer wieder auch an die vielen Menschen denken, die zu Beginn der Corona Krise dort gestorben sind (es waren wohl 4500 Tote allein in Bergamo). Die Bilder von Särgen die vom Militär abtransportiert wurden, die tief verunsicherten Menschen… und all das erst dreii Jahre her. Wie schnell wird doch alles wieder Normalität und wie schnell vergessen wir. Ich glaube, es ist gut dass wir vergessen können – aber es ist auch wichtig aus schweren Situationen zu lernen und sie irgendwie in unserm Herzen zu tragen.

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