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Die Donauquelle

Los geht's

Pünktlich um 07:06 habe ich mein Fahrrad in den Regionalzug verfrachtet und mich auf den Klappsitz dahinter geklemmt. 19 Stationen bis Ulm. Am Bahnhof in Ulm bat ich einen Herrn um Hilfe, da der Zug nur über eine Treppe zu erreichen war. Seine Antwort: „Natürlich, i helfe Ihna gern. Des Drahtesel isch für an alloi zu schwer.“ Was für ein Klang! Ich habe ihn nicht sofort verstanden, aber er hob mein Rad einfach in den Zug – und das war ja das Wichtigste.  

Dann ging es mit der „Schwäb’sche Eisenbahne“ über Munderkingen, Beuron und Immendingen nach Donaueschingen. 33 Haltestellen und viereinhalb Stunden nach meinem Start in Kissing erreichte ich endlich den Anfang meiner Donautour – und den Beginn der Donau.  

Die Donauquelle
2840 km bis zum Meer
2840 km ein langer Weg

Die Donauquelle im Stadtpark von Donaueschingen ist ja eigentlich nur eine von zwei Quellen. Wikipedia weiß es genau: „Als Donauquelle werden eigentlich zwei echte Quellen bezeichnet – symbolisch die des Donaubachs in Donaueschingen und hydrologisch die des größeren Quellflusses Breg an der Martinskapelle bei Furtwangen.“ Aber egal! Die Quelle, die ich heute gesehen habe, hat mich beeindruckt – mich und die vielen Menschen, die von dort aus Fotos, Selfies und Beiträge für Instagram, Facebook oder X verschickt haben.  

Wiesen mit Butterblumen
Pause

Mir war es dort zu voll, also: Ab aufs Fahrrad und los zur ersten Etappe entlang der Donau!  

Was für eine Strecke – Wiesen mit Butterblumen, Bäume im frischen Grün und die Donau fast immer an meiner Seite. Es war eine wunderschöne Fahrt, obwohl der Wind mir und meinem Fahrrad einiges abverlangt hat. 70,5 Kilometer – ich bin stolz auf mich!  

Pause
Nochmal Pause

Nach einem langen, ereignisreichem Tag voller Herausforderungen rolle ich schließlich in meine Unterkunft ein. Die Beine müde, aber mein Herz voller Freude. Der erste Abschnitt meiner Donautour liegt hinter mir – und mit ihm schon so viele schöne Erlebnisse. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen, welche Landschaften sich vor mir auftun und welche Begegnungen mich erwarten. Die Donau hat mich bereits in ihren Bann gezogen – und dies ist erst der Anfang meiner Reise.  


Tief Henry

Ich hielt mich für mutig, unerschrocken und regenfest – und dann schickt Tief Henry 9 Grad und Dauerregen als Reality-Check! Zum Glück bin ich flexibel: Statt klatschnass zu werden, verschiebe ich meine Radltour um eine Woche. Meine Regenjacke atmet erleichtert auf. 😉

Entlang der Donau

Karte meiner ersten Etappe entlang der Donau

Nun habe ich fast ein Jahr lang eine „Radlpause“ eingelegt. Doch am kommenden Montag geht es endlich wieder los! Die Sonne scheint, die Bäume blühen, es ist angenehm warm – besser könnten die Bedingungen wirklich nicht sein. Mein Fahrrad ist geputzt, und ich bin gerade dabei, alles zusammenzusuchen, was ich für meine Fahrt benötige.

Ich freue mich auf die erste Etappe – mal sehen, ob es auch eine zweite oder dritte geben wird – entlang der Donau. Ich werde von Donaueschingen bis Günzburg radeln und mir dafür fünf Tage Zeit nehmen. Sicher gibt es viel zu sehen und zu entdecken! Auf jeden Fall nehme ich euch mit und werde regelmäßig berichten.

Heilige Italiener (und heilige Italienerinnen)

Assisi von der Burg aus gesehen
Assisi
eine kleine Gasse in Assisi
ein Gässchen in der Altstadt
Franziskus und die Vögel

Nun sind wir schon wieder ein paar Tage zu Hause und unsere Reise nach Umbrien ist leider beendet. Wir sind im Dauerregen vom Gardasee bis nach Kissing gefahren – das schlägt aufs Gemüt. Aber zum Glück war zu Hause alles in Ordnung: Der Keller trocken und nur im Garten hat der Regen einige Blumen plattgedrückt.
Umbrien ist wunderschön: Viele alte Städte und eine hügelige, sehr waldreiche Landschaft. Am besten hat mir Assisi gefallen. 

Ich hatte etwas Sorge, ob das Erbe des heiligen Franziskus noch zu spüren ist. Ja, es ist es! Assisi liegt traumhaft auf einem Hügel. Die Altstadt von Assisi gleicht einem Bilderbuch: enge Gassen und Treppen, verwinkelte Häuser im mediterranen Stil, malerische Plätze und viele kleine Läden, in denen Devotionalien und allerlei verkauft werden.

Überall sieht man hier Kirchen, und die Präsenz der heiligen Klara und des heiligen Franziskus ist spürbar. Doch anders als an anderen Orten, wo es oft aufdringlich und kommerziell ist, habe ich hier zum Glück keine nickenden Franziskusfiguren oder Seifen in Form der heiligen Klara gesehen. Besonders beeindruckt hat mich die Basilika mit ihrer Unterkirche und Oberkirche. Die Fresken, die das Leben des heiligen Franziskus darstellen, haben mich tief berührt – sie sind wunderschön. Wir haben viel gesehen und erlebt, und ich bin sicher: Umbrien wird uns wiedersehen.“

Emotionale Italiener

Blick auf ein kleines Städtchen in Italien
Dieses Foto wollten wir machen...sonst nichts
Am Reisen mag ich besonders, fremde Menschen kennenzulernen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch ein wenig über sie und ihr Leben zu erfahren. Manchmal lässt uns das Gegenüber ein Stück seines Innersten sehen.  Das ist jedesmal wie ein Geschenk für mich. Heute hatten wir so eine Begegnung: Auf einem Parkplatz haben wir kurz angehalten, um ein Foto zu machen, als ein ālterer Herr auf uns zukam und in fast perfektem Deutsch fragte, ob wir aus Friedberg kommen.
Und dann erzählte Giovanni von der Zeit, als er 1963 nach Augsburg gekommen ist, als 17 jähriger in Augsburg in einer Spinnerei gearbeitet hat, im Betriebsrat war und eine italienische Frau in Deutschland gefunden und geheiratet hat. Wie er nach 20 Jahren wieder in die Heimat gezogen ist… wegen seiner Eltern – und weil sein Sohn doch Italien als seine Heimat erleben sollte. Wie stolz er auf seinen Sohn ist, der heute im Innenministerium in Rom arbeitet… Ich hatte das Gefühl, Giovanni hat uns sein Herz geöffnet, und mit uns sind viele Erinnerungen an gute und vielleicht auch schwere Tage in ihm lebendig geworden. Er schaute in diesem Gespräch auf sein Leben und ließ uns teilhaben. Als er sich verabschiedete, hatte er Tränen in den Augen und meinte, er wūrde diese Begegnung nicht vergessen… wie schön! 
Ich glaube, auch ich werde unsere Umbrienreise wohl immer auch mit der Erinnerung an diese besondere und emotionale Begegnung verbinden.

Kreative Italiener

Wenn es immer wieder regnet, Gewitterwolken aufziehen und die Sonne sich nur ab und zu sehen lässt, dann macht es ganz besonders Spaß, durch Geschäfte zu schlendern. Bei so einem Bummel sind wir abseits der Hauptstraßen auf ein Geschäft gestoßen, das mich magisch angezogen hat. Lauter bunte Bänder und Stoffe waren in dem kleinen Laden zu finden. Mein Herz schlug schneller. Als ich dann auch noch die Preise sah… 4 Euro für 50 Meter Satinband konnte ich es fast nicht glauben. Ich packte also drei Farben, die mir besonders gefielen ein (was ich damit machen will, liegt noch im Nebel) und ging zur Kasse. 

Nun spreche ich kein italienisch – (außer vielleicht buongiorno, non parlo italiano und vielleicht noch drei andere Worte) und die Dame an der Kasse sprach weder englisch noch deutsch….
Da hatten wir nun ein Problem – irgendetwas versuchte die Dame mir zu sagen, aber ich verstand einfach nicht, was sie von mir wollte.
Also wurde per Telefon der Chef gerufen, der mir dann klarmachte, dass dieses Geschäft ein Großhandel ist und er nicht an Privatpersonen verkaufen darf. Er fragte mich, ob ich nicht vielleicht eine Steuernummer bei mir habe. Damit konnte ich nun wirklich nicht dienen. Also wollte ich das Geschäft unverrichteter Dinge wieder verlassen. Aber da hatte ich nicht mit der Hartnäckigkeit der Italiener gerechnet (ich glaube, sie finden für jedes Problem eine Lösung): Ich wurde als neuer Kunde – mit meinem Status als Kleinunternehmerin – angelegt, mit Personalausweis und allen Daten. Als das geschafft war, wollte ich meine 12 Euro bezahlen, bekam aber von den 20 Euro, die ich der Kassiererin gab, 10 Euro zurück. Auf meinen fragenden Blick, bekam ich ein italienisches „Bassd scho“ – (so habe ich das Lächeln gedeutet) zurück.
Ich finde, Italien ist ein tolles Land mit großartigen, kreativen, freundlichen und schlitzohrigen Menschen.

Wieder unterwegs

Im Herzen von Italien

Nun ist inzwischen Ostern vorbei, Pfingsten liegt auch schon hinter uns und ich bin noch nicht (für eine längere Reise) auf mein Fahrrad gestiegen. Was war los? Eigentlich gar nichts… das Wetter war nicht so toll, ich hatte lauter Termine, und irgendwie ist mir immer irgendetwas dazwischen gekommen. Nun steht mein Fahrrad brav in der Garage und wartet geduldig, bis ich mich dann doch wieder auf den Sattel schwinge. Seit Samstag sind wir unterwegs in unserem Lieblingsurlaubsland, zuerst am Gardasee und dann weiter nach Umbrien. Hier in der Nähe von Poreta haben wir eine wunderschöne Ferienwohnung gefunden. Ein Landgut umgeben von tausenden Olivenbäumen, in dem schon Papst Leo XII (1823) gewohnt hat und das malerisch auf einem kleinen Hügel thront. Von hier aus wollen Umbrien erkunden, das italienische Essen genießen und es uns einfach gut gehen lassen. Auch wenn uns das Wetter nicht wie gehofft eitel Sonnenschein beschert… Wir werden die Tage in vollen Zügen genießen.

Olivenbäume im Sonnenuntergang

Sonne im Herzen – Blödsinn im Kopf

So lange war es ziemlich ruhig hier. Aber nun erwache ich langsam wieder aus meinem Winterschlaf!

Na ja, geschlafen habe ich nicht die ganze Zeit, aber es ist einfach so viel passiert. So vieles hat meine Tage durcheinandergeworfen, meinen Alltag bestimmt und mich in Beschlag genommen. Wie gut, dass ich die Zeit hatte, mich um vieles zu kümmern – wie gut, dass ich die Zeit hatte,
meiner Seele, meiner Traurigkeit, meiner Hoffnung und meiner Dankbarkeit Raum zu geben…

Im Januar ist meine Schwester gestürzt und hat sich das Sprunggelenk und den Arm gebrochen und kurz vor seinem 91. Geburtstag ist mein Vater im Februar friedlich nach einem erfüllten Leben verstorben.
Neben der Traurigkeit und dem Abschied durften wir so viel Dankbarkeit in
unseren Herzen spüren, und immer wieder konnten wir auch über Erlebnisse, die wir mit unserem Vater hatten, lachen.

Nun sitze ich hier an seinem Schreibtisch und mein Blick fällt auf eine Karte, die er sich an den Rechner geklebt hat: „Am liebsten sind mir ja die mit SONNE im Herzen und BLÖDSINN im Kopf“. Ja, so war er! Und das kann ich auch für mich sagen: Sonne im Herzen und Blödsinn im Kopf ist einfach eine wunderbare Kombination und vielleicht auch etwas, was unsere Familie ausmacht J

Ich brauche noch ein paar Tage, morgen bringe ich meine Schwester an den Tegernsee zur Reha und dann… vielleicht an Ostern, werde ich mich wieder auf mein Fahrrad schwingen: Sonne im Herzen und Blödsinn im Kopf!

Seid gespannt! 🙂

Eindrücke vor der Heimreise

roter Sand in der Wüste von Ras al Khaima
Blume in der Wüste von Ras Al Khaimah

Heute ist unser letzter Tag in Ras al Khaimah, es ist der 19. November und es ist noch immer 30 Grad warm. Für mich ist es fast unvorstellbar, dass in 5 Wochen Weihnachten ist. Ein Weihnachtsfest bei solchen Temperaturen kann ich mir irgendwie nicht vorstellen….,

Die vergangenen 12 Tage waren angefüllt mit so vielen neuen Erfahrungen: Ich habe die Wüste so noch nie erlebt – hier wachsen Blumen im Sand, die erst, wenn man nahe genug hingeht,  zeigen, wie schön sie sind. Der Sand ist terrakottarot, die Sonne geht fast jeden Tag als ein großer roter Ball unter, die Nächte sind sternenklar, das Essen schmeckt nach unterschiedlichsten Gewürzen. Auf den Märkten duftet es, weil in vielen Geschäften ein Weihrauchfässchen die vielfältigsten  Gerüche verströmt. Die Menschen sind herzlich, freundlich und hilfsbereit. Es ist ein Land, das wirklich eine Reise wert ist.

Kreisverkehr nach einem Regenguss

Aber es gibt auch einige Dinge, die mich erstaunt und überrascht haben  und mit denen ich nicht gerechnet hatte. An einem Morgen hatte es ziemlich heftig geregnet, und als wir am Abend in die Wüste fahren wollten, mussten wir auf halber Strecke wieder umkehren. Fast alle Straßen waren überflutet und das Wasser stand knöchelhoch. Es gibt hier weder Gullys noch Entwässerungsmulden oder Gräben, in denen das Wasser ablaufen kann. Es gibt an den Häusern keine Regenrinnen oder Abflussrohre, und ohne ein Auto mit Vierradantrieb muss man daheim bleiben (Busse und Bahnen gibt es auch nicht)…

alles muss glitzern - auch die Schnuller
Glitzerschnullis
Stecknadeln – die mussten einfach mit

Und dann ist da noch etwas, was mich hat schmunzeln lassen: Alles, aber auch wirklich alles, was man hier als Frau zum anziehen kaufen kann, glitzert. Es gibt kein Kleid ohne Glitzersteine, kein Kopftuch oder keinen Schal, an dem es nicht irgendwie blinkt und glitzert. Ich habe mich so schnell daran gewöhnt, dass mir meine Kleidung fast zu schlicht vorkommt (keine Sorge – ich bin dem Glitzerwahn nur ein ganz kleines bisschen verfallen :-)) Aber das Beste, erstaunlichste und absurdeste, was ich gesehen habe, waren Glitzerschnuller! (Siehe Foto) Ja, die gibt es hier wirklich!!!!

Es war eine so tolle Zeit hier in Ras al Khaimah – aber ich freue mich auf daheim, auf ein Zuhause, das ich adventlich gestalten kann, auf meine Badewanne, auf meinen Schatz… und sogar auf warme Strumpfhosen und Pullover 🙂

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